Brutverhalten

Tauben leben monogam und gehen lebenslange Partnerschaften ein. Ihre Jungen ziehen Tauben gemeinsam auf. Während der Brutzeit hocken die Elterntiere sich abwechselnd auf das gemeinsam gebaute Nest, sodass stets ein Tier die Eier warm hält.

Nach 18-tägiger Brutzeit schlüpfen die Taubenküken. Tauben produzieren in ihrem Kropf, anderes als die meisten übrigen Vögel, eine Art Milch – die sog. Kropfmilch. Sowohl Männchen als auch Weibchen können die nahrhafte Flüssigkeit bilden und füttern die Jungen abwechselnd.

Ihren Nachwuchs verteidigen die Eltern oft unter Einsatz ihres Lebens: Viele Tauben lassen sich eher totbeißen als ihre Kinder allein zurückzulassen. Nicht selten findet die Arbeitsgruppe Stadttauben Bonn tödlich verletzte Elterntiere in der Innenstadt.

Anzahl der Nachkommen – menschengemachtes Problem:

Stadttauben wurden vom Menschen über 7 000 Jahre lang daraufhin gezüchtet, möglichst viel zu brüten (sog. Brutzwang). Deswegen hängt die Zahl des Nachwuchses nicht – wie bei den meisten anderen Tieren – vom Nahrungsangebot, dem körperlichen Zustand oder anderen Gegebenheiten ab. Die Tiere sind darauf gezüchtet, unter allen Umständen weiterzubrüten, bis zu achtmal im Jahr. Folglich können Tötungs- oder Vergrämungsaktionen nie langanhaltenden "Erfolg" bringen.

Die Stadt München schreibt zu ihren "Erfahrungen aus der Taubenbekämpfung":

"Die Landeshauptstadt München führt seit langem
keine stadtweiten Bekämpfungsmaßnahmen gegen
die Stadttauben mehr durch. Die Erfahrung in München
und auch in anderen Städten zeigt, dass die Entfernung
oder Tötung der Tiere nur kurzzeitig zu einem Rückgang
der Population führt. Der ständige Zustrom durch
entflogene Brieftauben und andere Haustauben sowie
ein erhöhter Bruterfolg der verbliebenen Tiere führt
regelmäßig dazu, dass in kurzer Zeit der Bestand
wieder die frühere Zahl erreicht. Die Tötung der Tiere
(…) ist daher nicht zu rechtfertigen und aus Gründen des
Tierschutzes abzulehnen."

"Leitfaden Leben mit Stadttauben" der Stadt München (2018)

Letztlich sorgen Tötungsmaßnahmen nur für unermessliches Leid. Einzig die Lösung mit Gipsei-Attrappen bietet eine dauerhafte Populationskontrolle.

Verantwortung für die Überbevölkerung tragen also vor allem die Taubenzüchter. Das Problem ist menschengemacht. Stadttauben sind nichts anderes als verwilderte Haustiere. Darum sollten wir uns um sie kümmern.